So funktioniert Möbeldesign

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Der Unternehmer Klaus Brettner berichtet in der Veranstaltungsreihe „Dialoge mit der Praxis“

Ohne Frage – die Möbelindustrie ist eine der typischen Branchen, in der die Gestaltung der Produkte eine herausragende Rolle spielt. Die Umsetzung ästhetischer Schöpfungen entscheidet dabei auch über den Erfolg oder Misserfolg ganzer Unternehmen.

Letztendlich geht es beim Möbeldesign darum – wie in allen kreativen Berufen – Ideen zu haben, so unterstrich Klaus Brettner, selbstständiger Unternehmer und Chef des Brettner Studios für Gestaltung GmbH/Herzebrock in seinem Vortrag vor den Gestaltungsschülern: „Ich baue nichts. Ich verkaufe nur Ideen. Aber Ideen muss man auch erarbeiten.“

So ist denn auch der Weg von der ersten Idee bis zur wirklichen Umsetzung dieser Idee mit der Herstellung eines Möbels durch den Möbelproduzenten lang. Ausgehend von der Ideenfindung wird zunächst eine 2D-Ausarbeitung angefertigt, der eine 3D-Ausarbeitung folgt. Weitere gestalterische Schritte sind dann die Animation und die grafische Bearbeitung. Es folgen dann aber auch noch die PR beim Kunden (dem Möbelproduzenten), ein Musterbau für die Industrie und die Messeausstellung. Insgesamt ungefähr ein Jahr dauert so ein Entwicklungszyklus.

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Und Geld ist dann noch lange nicht geflossen, denn – so Klaus Brettner – „ein Designer wird über Lizenzen bezahlt. Wir werden erst bezahlt, wenn die Industrie ein von uns entworfenes Möbel herstellt.“

Aber wie wird man eigentlich erfolgreicher Möbeldesigner? Klaus Brettners Karriereweg begann zunächst einmal mit der ganz klassischen Ausbildung zum Tischler, anschließend machte er berufsbegleitend seinen Tischlermeister. Ein Studium zum Designer schloss sich an. Danach arbeitete er in der Firma Jochen.Flacke.Design.GmbH./Herzebrock-Clarholz und wurde hier sogar Geschäftsführer. Im Jahre 2008 machte sich Brettner dann selbstständig und gründete sein eigenes Möbeldesign-Studio. Vier Jahre später gewann er sogar mit seinem Möbelentwurf den renommierten reddot design award.

Für sein heutiges Berufsleben sei jedoch letztendlich auch seine Ausbildung zum Tischler ungemein wertvoll, erklärte er den jungen Gestaltern: „Ich bin ausgebildeter Tischler. Deswegen kann ich meinen Kunden aus der Möbelindustrie erzählen, wie man mein entworfenes Möbel bauen kann.“

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Ausbildungsplätze biete übrigens auch sein Betrieb an, so Brettner. Schwierig sei es aber, die richtigen Leute zu finden: „In meinem Bereich gibt es keine fertig ausgebildeten Leute. Denn in meinem Job gibt es ein breites Portfolio an Anforderungen.“ Sicherlich, ein bisschen Mathe, d.h. die Grundrechenarten müssten schon Leute mitbringen, die bei ihm eine Ausbildung beginnen wollten. „Aber dreidimensionales Vorstellungsvermögen, das ist wirklich ganz wichtig“, machte er den zuhörenden Gestaltungsschülern klar.

Und: „Hauptsache, ich merke, ihr habt Bock auf den Beruf. Die Grundvoraussetzung „Schulabschluss“ ist mir eigentlich egal – denn das ist ja erst einmal ein Stück Papier!“.

(Text: Clas Möller, Fotos: Kathrin Beermann)

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