Tag des offenen Hofes

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Tag des offenen Hofes in Halverdie Landwirtschaft stellt sich vor.

Eine Handvoll Häuser, direkt an der Grenze zu Wipperfürth und eigentlich die Ruhe pur - so kennt man Halver-Anschlag. Aber heute ist hier für Halver-Anschlags Verhältnisse wirklich der Bär los. Weit und breit alles zugeparkt, denn der landwirtschaftliche Betrieb von Doris und Ernst Berbecker hat zum „Tag des offenen Hofes“ eingeladen. Aber zumindest diejenigen sind fein raus, die mit dem Fahrrad gekommen sind. Vom Fahrradabstellplatz sind es dann auch nur ein paar Meter bis zur Ausstellungswiese am Hof Berbecker.

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Ins Auge stechen hier vor allen Dingen die riesigen Landmaschinen, die rund um das Ausstellungsgelände aufgereiht sind. Dazwischen Zelte von Ausstellern und vor allen Dingen picco bello aussehende Kälber und Rinder aller Rassen. Gar nicht so einfach, hier „unsere“ Klasse LA 2 aus Letmathe mit ihrem Ausstellungsstand zu finden.

Miss-Wahl für Kühe

Also verfolge ich zunächst einmal die Kuh-Schau und laufe prompt Max aus der LA 2 in die Arme. Max Löffler, Auszubildender im Lehrbetrieb von Tobias Maas/Neuenrade, hat gerade der Jury „seine“ Kuh Ella vorgeführt. Ella gehört zur Rasse des Braunviehs, somit zu einer alten Rasse, die recht robust und relativ immun ist.

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Nun wartet er mit ihr in der Schlange vor der Melkmaschine. „Die Kühe werden vor der Schau nicht gemolken“, klärt mich Max auf, „damit die Striche (die Zitzen) gut zu erkennen sind, um die Kuh bewerten zu können. Kriterien sind auch die Adern am Euter, d.h. ob das Euter prall ist.“ Ein Vorteil gleich langer Striche sei übrigens auch, so Max, dass ein Melkroboter so die Zitzen leichter erkennen könne.

Bei Ella fällt mir neben der Identifikationsohrmarke des Betriebes noch eine weitere Ohrmarke mit der Nummer 469 auf. Damit würden über einen Transponder Daten übertragen, erklärt Max und erläutert mir die Dinge so, wie sie nun einmal sind: „Man kann z.B. dann erkennen, wenn eine Kuh bullig ist, denn dann ist sie unruhig und bewegt sich viel. Dann muss sie besamt werden.“

Warum heute noch Landwirt werden?

Außerhalb der Landwirtschaft zu arbeiten ist daher auch für Max unvorstellbar: „Für mich ist das interessant, mit Tieren zu arbeiten, auf den Acker zu fahren und sich um die Felder zu kümmern. Später werde ich im elterlichen Betrieb arbeiten.“

Und Max hat sich heute ganz schön ins Zeug gelegt. Damit „seine“ Ella so geschniegelt und gestriegelt aussieht, ist er schon seit 8 Uhr auf den Beinen. So hat er Ellas Fell zunächst einmal mit Shampoo gewaschen (übrigens handelsüblichem Shampoo, wie er versicherte). Danach wurde sie natürlich noch ordentlich gebürstet.

So eine Kuh hat ordentlich Appetit

Ich ziehe weiter über das Ausstellungsgelände zum Infostand unserer Abteilung Land- und Gartenbau. Dort haben die Auszubildenden aus der LA 2 anschaulich die Tagesration, die eine Milchkuh zu sich nehmen muss, in großen Eimern aufgereiht: Maissilage, Grassilage, Mineralfutter, Weizenstroh, gemahlenen Weizen und Biertreber (Rückstände aus der Bierherstellung). Insgesamt muss eine Milchkuh eine Tagesration von 132 Megajoule aufnehmen, erläutert mir die Auszubildende Solange Brugnatelli Vianini. Dazu kommen noch 60 bis 100 Liter Wasser am Tag. Das will dann aber erst einmal herbeigeschafft werden!

Hoftag als ein Stück Öffentlichkeitsarbeit für Landwirte

Die meisten der Auszubildenden aus unserer LA 2 haben übrigens zum ersten Mal an einem Hoftag dieser Größenordnung teilgenommen. Aber es hat sich gelohnt, so die einhellige Meinung, insbesondere damit auch Menschen außerhalb der Landwirtschaft verstehen, wie moderne Landwirte wirklich arbeiten. „Gerade wenn man die Landwirtschaft nicht kennt“, unterstreicht deshalb auch Lennard Berthold (LA 2), „sollte man sich so einen Hoftag anschauen. Beim Blick in die Ställe sieht man dann, dass die Kühe glücklich und sauber aussehen.“ Und Michael Löw, Lehrer in der Abteilung Land- und Gartenbau in Letmathe, fügt hinzu: „Es ist auch wichtig, dass die angehenden Landwirte die Hoftage als ein Stück Öffentlichkeitsarbeit kennenlernen.“ Toll an diesem Hoftag sei vor allen Dingen gewesen, so Julia Riedel (LA 2), auch einmal einen anderen Blick kennenzulernen und seinen Horizont zu erweitern, denn jeder Landwirt mache das anders.

Den Horizont erweitert, das würde auch ich unterschreiben, voller Vorfreude auf den nächsten Tag des offenen Hofes!

(Text und Fotos: Clas Möller)