Die Geschichte lebendig halten

 

Gedenkstaette Stalag VI a Hemer k

Vor der Gedenkstätte Stalag VI a in Hemer

Fast ein Dreivierteljahrhundert ist es inzwischen her, dass der 2. Weltkrieg sein Ende fand. Aber was hat die heutige Schülergeneration überhaupt noch mit der NS-Geschichte zu tun? Zu weit entrückt erscheint vielen inzwischen dieses dunkelste Kapitel der jüngeren deutschen Geschichte, schließlich haben weder ihre Großväter noch Väter in dieser Zeit gelebt. Hinzu kommt: Viele Schüler im heutigen deutschen Schulsystem haben einen Migrationshintergrund – im Sinne einer Familienlinie haben sie erst recht kein unmittelbares Verhältnis zu den NS-Verbrechen. Und dieses gilt übrigens in gleicher Weise für junge Flüchtlinge, die erst vor kürzerer Zeit nach Deutschland gekommen sind und von den NS-Verbrechen oft nur vage gehört haben.

Und dennoch gehört die Erinnerung an die Gräueltaten der NS-Diktatur und der Auftrag, Lehren aus dieser verhängnisvollen Zeit zu ziehen, sozusagen zur politisch-gesellschaftlichen DNA der Bundesrepublik Deutschland.

Eben um diese Auseinandersetzung mit der jüngeren deutschen Geschichte ging es bei dem gemeinsamen Projekt des Geschichtskurses der FOS 13 Gestaltung des Berufskollegs mit einer Gruppe von Flüchtlingen, die von Julian Bahr, Sozialarbeiter am Iserlohner Jugendcafé Checkpoint der Iserlohner Versöhnungskirchengemeinde, betreut wird. Dabei führten am 15.03. 2019 die angehenden Abiturienten aus der FOS 13 als Peer Guides eine Gruppe von 6 Flüchtlingen beim gemeinsamen Rundgang durch die Gedenkstätte Stalag VI A in Hemer.

Das Stalag VI A in Hemer, so erläuterten die Peers, war während des 2. Weltkrieges ein Strafgefangenenstammlager, in dem Zehntausende Kriegsgefangener aufgrund von Hunger, Kälte und Krankheit ums Leben kamen. Das traf vor allen Dingen auf die inhaftierten russischen Kriegsgefangenen zu, die deshalb auch das Lager eher als Konzentrationslager wahrnahmen. Auf dem Gelände befand sich dann von 1956-2007 die Blücherkaserne der Bundeswehr, nach der Landesgartenschau im Jahre 2007 entstand hier der Sauerlandpark.

Bei dem Rundgang der Peers mit den Flüchtlingen durch die Gedenkstätte kam es übrigens nicht zu den vorher befürchteten Kommunikationsproblemen, wie sich in der Auswertung herausstellte. „Ich fand das Projekt prima,“ unterstrich denn auch Sebastian Schütte aus der FOS 13 und fuhr fort: „Ich war überrascht, wie gut das mit der Kommunikation geklappt hat. Ich fand das auch nett, dass wir uns auch über ganz andere Sachen unterhalten haben. Außerdem waren die Jungs auch alle wirklich sympathisch.“

Und offenbar gelang es auch den einen oder anderen Bezug herzustellen, so problematisch das auch ist, wie Jana Pahnke berichtete: „Der syrische Flüchtling, den wir in unserer Gruppe hatten, hat auch einen Bezug zum syrischen Diktator hergestellt, während wir denen in der Ausstellung etwas von unseren Großeltern erzählt haben, wo wir eigentlich gar nicht so nahe dran waren.“ Etwas kritisch gesehen, so zeigte sich jedenfalls im Nachgang der Veranstaltung, wurde jedoch der starke lokale Bezug: „Für mich persönlich war es gut, dass ich das Stalag VI A als Teil der lokalen Geschichte gesehen habe. Ich weiß aber nicht, ob für die Flüchtlinge der lokale Aspekt der deutschen Geschichte der richtige Ansatz ist“, merkte Sebastian Schütte an. Geeigneter für junge Flüchtlinge könnte daher eventuell ein Besuch im Haus der deutschen Geschichte in Bonn sein.

Einhellig begeistert waren die Teilnehmer jedoch vom Einsatz der beiden Sozialarbeiter Julian Bahr und Christopher Hemmert vom Iserlohner Checkpoint, die für die ganze Gruppe auch ein gemeinsames Lunch auf die Beine gestellt hatten: „Die Jungs vom Checkpoint haben einen richtig guten Job gemacht“, bilanzierte Beke Hartmann.

Ein besonderer Dank gebührt zudem Eberhard Thomas, der bis Ende 2018 Leiter des Hemeraner Stadtarchivs war und freundlicherweise als Ruheständler für die leider erkrankte neue Leitung des Stadtarchivs spontan eingesprungen war.

(Text: Clas Möller)

Akzeptieren

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren